Montag, 2. August 2010

Erstes Lebenszeichen


Blick aus meinem Zelt in Klubbensborg

Obwohl ich gestern erst gestartet bin, habe ich das Gefühl schon ewig unterwegs zu sein.
Um kurz nach 5 bin ich gestern außerhalb von Stockholm gelandet und mit dem Flughafen-Shuttle in die Stadt gefahren. Mein großes Ziel zu trampen habe ich gestern nicht umgesetzt, da ich schiss hatte, dass alle Busse weg und ich immer noch da sein könnte.
Südlich des Zentrums, direkt am Wasser, habe ich grade noch rechtzeitig mein Zelt auf dem Campingplatz Klubbensborg aufgeschlagen, bevor es anfing zu regnen. Da das Zelt nur einlagig ist, hatte ich etwas Bedenken, dass ich Nachts eine ungewollte Dusche abbekomme, doch ich blieb trocken.


Zelt von Innen :)

Zu Fuss lies sich die Autobahn von meinem Nachtquatier aus gut erreichen und kaum hatte ich mir eine passende Stelle ausgeguckt und mich positioniert, hielt der erste Schwede in einem rotten Wohnmobil. Netter Typ, auf dem Weg zu einer Classic-Regatter die er mit zwei Freunden segeln würde. Trotz Navi verfuhr er sich immer wieder und redete wild mit allen anderen Autofahrern, die ihn natürlich nicht hören konnten.
Als er mich rauswarf, hatte es sich so richtig eingeregnet. Trotz Rucksackschutz und Regenjacke war ich bald klitschnass. Die Auffahrt war schlecht frequentiert und es dauerte bis ein Finne Erbarmen hatte und mich einsammelte. Die Fahrt mit ihm dauerte nur 10 Minuten, doch als er mich rauslassen sollte, erzählte er mir seine halbe Lebensgeschichte im Schneckentempo. So saß ich eine ganze weitere Stunde in seinem Auto und versuchte interessiert zu tun und beobachtete die wenigen Autos die vorbei kamen.
Leider war die Auffahrt noch weniger befahren als die Vorherige. Eine ganze Stunde stand ich dort im Dauerregen und war schon kurz davor mein Zelt am Straßenrand aufzuschlagen, als mich ein weiterer Typ einsackte. Wieder nur knappe 20 km, aber immerhin ließ er mich an einem Ort raus, wo es für den Notfall einen Bahnhof gab und der zum Glück relativ gut befahren war.
Ein etwas versiffter Typ in einem versifften Auto hielt an und nahm mich weitere 30 km mit. So wie er, sehen immer die Psychos in den Vox-Serien aus. Doch er war sehr nett. Da er die Abfahrt verpasste, lies er mich einfach mitten auf der Autobahn raus, sodass ich die Autobahnauffahrt entgegengesetzt zur Fahrtrichtung wieder hochlaufen musste.
Zu meinem Pech kamen da erst mal nur Muttis mit Kindern und die nehmen einen nie mit. Die starren immer nach vorne oder aus der Fahrertür und tun so als ob sie dich nicht sehen würden.
Alleinfahrende Männer in Schrottlauben halten am ehesten.
Meine letzte Mitfahrgelegenheit war auch so einer. Das Auto fiel ihm fast unter dem Hintern auseinander. Sofort fing er an, darüber zu reden, dass ich doch nicht allein reisen könne, was mein Freund sagen würde und wie der mich einfach so losziehen lassen könne. Das Land sei voller Spinner und Psychos. Er redete so lange davon, dass ich mir wünschte ich hätte auf Astrids Rat gehört und Pfefferspray mitgenommen. Doch das hielt ich damals für übertrieben. Also lächelte ich und erklärte, dass ich an das Gute auf diesem Palneten glauben würde.
Er stellte selbst fest, dass er wie seine Eigene Mutter klang.
Der Typ bestand darauf mich am Bahnhof rauszulassen und bat mich nicht weiter zu trampen. Er selbst erst 27 aber schon 3 Kinder und scheinbar besorgt, dass seine Kinder auch irgendwann auf so eine komische Idee kommen werden.
So stieg ich also in den Zug und fuhr bis Karlstad, fast dem Ziel meiner Reise. Ungefähr die Hälfte meiner 300km langen Tagestour habe ich im Zug und die andere in 5 verschiedenen Autos zurückgelegt.
Im Zug traf ich David, einen gutaussehenden Klischee- Scheden, der mir gleich seine Emailadresse zusteckte und vorschlug auf der Rückreise in Stockholm gemeinsam ein Bier zu trinken.


Ertser Blick auf den Vänern ( was ich jedes Mal so falsch ausspreche, dass die Schweden nicht wissen was ich meine)

Das letzte Stück lief ich mit meinen 17 kg Gepäck auf dem Rücken. Leider habe ich den teuersten Campingplatz des Universums erwischt, doch da es schon relativ spät ist und ich auch keine Lust habe noch weiter zu laufen schlage ich mein Zelt auf dem goldenen Boden auf und hoffe, dass sich die Nacht zumindest in Bezug auf den Schlaf lohnt. Dafür gibt es Wifi auf dem ganzen Platz und das für einen Stunde umsonst...

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