Die Schafe brechen seit einiger zeit immer wieder aus, ohne sich von den 6000 Volt im Zaun beirren zu lassen und daher mussten wir gestern Morgen eine neue Weidefläche abstechen, obwohl noch genügend Gras auf der alten Weide war.
Michael war davon wenig begeistert und drohte den Schafen, mit Dieter, einem befreundeten Schlachter der jedes Teil eines Tieres inklusiv Gebiss im Gulasch verarbeitet.

Die Terroristen
Zur Zeit höre ich das Hörbuch „Glenkill- ein Scharfskrimmi“ von Leonie Swann, in dem eine Scharfherde den Mord ihres Schäfers aufklären will. Die Scharfe auf dem hier scheinen, ganz genau wie die Tiere in Glennkill, in ihrer ganz eigenen Welt zu leben und über uns Menschen nur zu lachen.

Der Hof
Gemeinsam mit Cordula und Michael, den beiden Bewohnern des Hofes, zwei weiteren Freiwilligen, Nassim und Manuel, zwei Hunden, acht Schafen, einer unbekannten Anzahl an Katzen und einigen Hühnern lebe ich seit Freitag auf einem Hof irgendwo im Nirgendwo in Mittel-Schweden, nördlich vom Värnern.
Im Austausch gegen einige Stunden Arbeit am Tag bekomme ich ein kuscheliges Bett mit Aussicht auf eine schöne Wiese und Essen, meist aus dem eigenen Garten und immer gut schmeckend.


Das Haupthaus mit Gemuesegarten
Nassim, Manuel und ich wohnen im wunderschönen, etwas heruntergekommenen, ehemaligen Schulgebäude nahe dem Waldrand, dass oberhalb des Haupthauses steht, in dem Cordula und Michael wohnen. Vor dem Haus steht unser ganz persönliches Plumpsklo, von dem es zwei Stück auf dem Hof gibt und die einzige Möglichkeit ist, sein Geschäft zu verrichten, ausgenommen davon natürlich der Wald und das weitere Glände.
Die Dusche und fließend Wasser finden wir nur bei Cordula und Miachel.

Die Schule

Marmorbad ;)
Früh um sieben frühstücken wir alle gemeinsam, drehen anschließend eine Runde mit den Hunden durch den endlosen Wald, der das Grundstück auf dem Hügel komplett umgibt und beginnen anschließend mit der Arbeit, die im Moment hauptsächlich daraus besteht, dass 6 ha große Grundstück mit einem traditionellen schwedischen Zaun zu versehen. Die gesamte Strecke beträgt gute 1,2 km.
Nach dem zweiten Frühstück, bei dem wir meistens das noch warme Brot genießen, das Cordula täglich backt, arbeiten wir noch etwas weiter und machen dann am frühen Naschmittag Feierabend, den wir frei gestalten können, wenn man das so nennen kann, weit ab von jeglicher Zivilisation.
Bis in die nächste Stadt mit 6000 Einwohnern fährt man über 25 km.
Ohne Fernseher, Internet und jegliche kulturelle Unterhaltung ist das recht gewöhnungsbedürftig. Ein Wunder dass man doch noch ohne Internetflatrate leben kann…
Nachmittag ziehe ich mit der Kamera durch den Wald, lese, höre Musik und gammel einfach rum.
Mein Dozent Thomas erklärte uns vor kurzem, dass die Jugend heutzutage nicht mehr rumhängen könne ohne etwas zu tun wie zum beispiel surfen, fernsehen oder am Handy rumzuspielen. Hier lerne ich es grade wieder: einfach Löcher in die Luft zu starren und bin darin recht erfolgreich.
Cordula und Michael, beide Mitte 30, sind vor fast 10 Jahren aus Deutschland ausgewandert und haben über Jahre in einer Hüte ohne Strom und fließend Wasser gelebt. Beide etwas laut und aufgeregt, besonders wenn es um Tier- und Umweltschutz geht, aber mit dem Herz am richtigen Fleck.


Vor dem Haus steht der eigenen Gemüsegarten aus dem sie sich und auch ich mich im Moment hauptsächlich ernähre. Monströse Zucchinis verarbeiten wir, die eher einem Baseballschläger als einem Gemüse gleichen.
Mein versuch, Bilder aus der örtlichen Bibliothek hochzuladen, ist heute Nachmittag kläglich gescheitert. Ich starte einen neuen versuch und hoffe, ich werde erfolgreicher sein...
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