Da stehe ich nun, nach zwei trockenen, sonnigen Tagen, in denen mein Zelt trockenen konnte, auf einem total überteuerten 5-Sterne Campingplatz in Lidköping, muss mein Zelt in einem Schlammloch (mit unnötigem Elektroanschluss) aufbauen und da kommen mir die Zeilen dieses Liedes in den Kopf, die mich in einen leicht verzweifelten Lachanfall fallen lassen .
Von allen Seiten kommt das Wasser. So schnell, dass alles trocken bleibt, kann ich das Zelt gar nicht aufbauen.
Ein minimaler Trost: es gibt auf dem freies Internet ( das nicht wirklich funktioniert). Bei dem Preis wiederum erwarte ich das auch (aber auch dass es funktioniert)!
Da das Fernsehzimmer, in das ich mich jetzt kuschelig zurückziehen wollte, das von aufgekratzten, vorpupatären und zu allem Überfluss auch noch tanzenden Mädchen bevölkert wird, sitze ich in der Küche wo grade Rushhour herrscht.

Mit dem Bus bin ich heute aus Tollhättan angereist, dass auch gern „Trollywood“ genannt wird, da in dieser Stadt die schwedische Filmindustrie sitzt.
Das Wetter schien stabil zu sein, doch grade waren wir über die Stadtgrenze hinaus schoben sich am Himmel dunkle, schwere Wolkenberge zusammen, die kurz darauf begannen sich zu entleeren.
Mein Tag in Trollhättan stand ganz im Zeichen des Wassers.
Er begann, nachdem ich schon wieder zu lange in meinem Zelt gelegen habe, mit einer geführten Tour durch das Turbinenkraftwerk im Süden der Stadt. Ein charmanter, junger Schwede leitete die Gruppe, in der ich den Altersdurchschnitt gewaltig nach unten zog, und erklärte vielerlei Interessante Sachen zur Geschichte und Funktion des Kraftwerkes.

Kraftwerk
Obwohl ich versuche mein atemberaubendes Outfit, das heute aus einem türkisfabendem T-Shirt, einem grünen Kaputzenpulli, Wanderboots aus denen pinke Wollsocken hervor blitzen und meine zu kurze Shorts besteht, zu ignorieren, konnte ich das nicht mehr als ich zur Krönung auch noch einen leuchtend gelben Helm tragen musste.
Ich tat so als ob ich angemessen gekleidet wäre und auch der nette Schwede lies sich nicht weiter anmerken, wie bescheuert ich aussah. Den Helm musste ich zum Glück wieder abgeben.


Anschließend bin ich zu den Schleusen, die noch etwas weiter außerhalb der Stadt liegen, gelaufen und habe Schiffe beobachtet die den Göta Alv hinauf oder hinunterfuhren.
Überpünktlich zu Schläusenöffnung um 15 Uhr habe ich mich mir vielen anderen Schaulustigen auf einer Brücke eingefunden, um zu sehen wie 34000 Liter Wasser in der Sekunde aus einem Stausee den Hang hinunterstürzen.
Auf dem Weg nach Karlstad, nach der dritten Nacht, habe ich an der Bushaltestelle die mitten im Wald lag, Carl kennen gelernt, der für die lokale Zeitung und die konservative Partei Schwedens arbeitet.
Bevor ich das jedoch wusste, fragte es wer in Deutschland regiert und ich konnte wohl nicht verbergen, dass ich von der regierenden Partei nicht begeistert bin. Er versuchte mich darauf hin in eine politische Diskussion zu verwickeln, womit er bei mir an der absolut falschen Adresse ist.
Unteranderem erzählte er mir aber dass die Kandidatin der Sozialdemokraten mit der Kreditkarte die sie vom Staat hat, Toblerone gekauft hat und dabei erwischt wurde. Ob das nun so stimmt oder nicht: ich habe mich köstlich amüsiert.
Auch da muss ich nochmal auf mein komisches Äußeres hinweisen, das die Menschen in diesem Land nicht abzuschrecken scheint.
Die ersten Nächte waren so kalt, dass ich mir den Schlafsack ÜBER dem Kopf zusammengebunden habe, in der naiven Hoffnung so mehr Wärme in meinem Schlafsack speichern zu können. Dass der Sack dafür aber eigentlich zu kurz oder ich zu lang bin, ist dabei ja nebensächlich.
In der letzten Nacht habe ich mich in meinem Kaputzenpulli in den Schlafsack gelegt, die Kaputze bis zur Nasenspitze zugeschnürt und das gleiche mit dem Kopfteil des Schlafsackes getan. Erstaunlicherweise ging es auch so...
Von Blasen an meinen Füssen brauche ich schon gar nicht mehr zu sprechen, denn da ist nur noch wundes, offenes Fleisch zu sehen. Ich dachte ich hätte mit Blasenpflasern vorgesorgt, doch die scheinen sich in Luft aufzulösen. Gestern habe ich sogar eins durch gelaufen, was ich niemandem wünsche. Einen ekelerregenderen Gestank habe ich selten erlebt und ich wage dabei zu behaupten, dass es nicht nur an meinen Füssen gelegen hat.

Lecker: saubere, gepflegte Füße :)
Morgen werde ich nach Filipstad reisen, wo ich die Leute treffe, bei denen ich die nächsten 4 Wochen arbeiten und wohnen werde. Die Verbindung scheint nicht die Beste zu sein und dauert darum zwischen 6 und 7 Stunden. Was mir in Deutschland den letzten Nerv rauben würde, genieße ich hier fast. Mit Bus und Bahn sieht man viel vom Land und trifft auch ein paar Leute für ein Gespräch.

Schwedenromantik
PS: Internet ist zu langsam. Weitere Bilder folgen bald!
Manche Dinge will ich gar nicht so genau wissen, den die Beschreibung ist so, dass ich es in der Nase spüre. In Zukunft überlese ich diese Passagen, die anderen lese ich mit viel Vergnügen!
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